Sage

In eine richtige Burg gehört auch ein richtiger Burggeist, welcher, seit Generationen nicht zur Ruhe kommend, durch Wände geht, das Tafelsilber schweben und seltsame Dinge geschehen lässt bis der Besucher unter anderem gar unheimliche Stimmen zu hören meint. Und da die Roseburg etwas besonderes ist, rankt sich auch um ihre Gemäuer eine Sage, sogar in Anlehnung an ein wahres Ereignis – man blättere in den Gerichtsakten des Schlossarchives Zerbst. Wobei ein Falkensteiner bei der Fuchsjagd ermordet und sein Geist in Eulengestalt seither sein rastloses Wesen treibt.

Die aus weißem Stein geschaffene Eule, die zur Zeit ihr Dasein in den Gewölben des Georgsturmes fristet.

So kann es also vorkommen, dass man vielleicht als Gast der Pension des Nachts aus dem Turmfenster schaut und das Mondlicht für einen kurzen Moment den Blick auf eine Gestalt zulässt, von der die überlieferte Sage wie folgt berichtet:

Vor langer, langer Zeit lebte auf der Burg einsam und allein ein Ritter. Höchst melancholisch veranlagt, sah er in allem so recht keinen Sinn, wusste nichts mit sich und der Welt anzufangen. Und wenn er vor lauter Nachdenken nachts keinen Schlaf fand, so wandelte er oft zwischen den Bäumen im dunklen Park umher. Abermals dort, riss ihn plötzlich der markante Ruf eines Uhus aus den Gedanken und während er hochblickte, verschwand ein wundersam weißer Nachtvogel in einer naheliegenden Schlucht. Der Ritter folgte dem Ruf und während er das Gestein absuchte, hörte er ein leises Weinen in der Nähe, was ihm sehr zu Herzen ging. Und forschend unter einen Baum schauend, fand er ein junges Mädchen, das sich beim Klettern nach Wildrosen den Fuß verletzt hatte und hilflos glänzende Tränen vergoss. Der Ritter war von der reinen Schönheit des Mädchens so angetan und trug sie sorgsam hinauf zu seiner Burg, wo er sie hegte und pflegte. Es dauerte nicht lang und sein Herz war voller Liebe, so dass er die Jungfrau innigst bat, seine Frau zu werden. Diese schloss ihn freudigst in die Arme und es wurde prunkvoll Hochzeit gehalten. Seither war der Ritter ohne Sorge, voller Glück und Harmonie. Aus purer Dankbarkeit gegenüber der Eule, die ihm schließlich den Weg zu seiner Liebe, zu seinem neuen Leben gewiesen hatte, ließ er das Tier in weißem Stein nachbilden und somit verewigen.

Nun, ist es dieser Ritter, der noch heute über die Burganlage wacht und dafür Sorge trägt, dass die Erinnerung an die weiße Eule bewahrt bleibt?

Wer immer auch dem bleichen Ritter begegnet, der bestätige ihm bitte den guten Erhalt der Eulenfigur und verweise ihn auf den heutigen Standort, nämlich die Gewölbe des Georgturms.