Wem gehört(e) die Roseburg ?

 

Jedes Gebäude lebt von und mit seinem jeweiligen Besitzer. Und handelt es sich um eine Burg, deren erste stiftsurkundliche Erwähnung auf das Jahr 963/64 zurückgeht, ahnt man den spektakulären Wandel. Vom Ursprung zeugen nur noch die Grundmauern und somit widme man sich dem Nachvollziehen der Besitzverhältnisse speziell ab dem Jahre 1905, da hier den Mauern das blühende Leben eingehaucht wurde, wovon sie bis zur heutigen Zeit noch atmen:

Gestern

Denn exakt das Jahr 1905 ist es, als der Berliner Architekt Bernhard Sehring die Burg, welche man im Volksmund bereits nur noch Roseburg nannte, sowie weiträumiges Gelände aus dem Besitz Anhalt-Dessau erwarb. Die glücklichste Fügung für die Burg schlechthin - denn der neue Haus- und Bauherr hatte wahrlich viel vor, nämlich die Umsetzung eines lang gehegten Traumes, die Schaffung eines privaten Reiches unter Anwendung all seines Könnens. Unter seiner perfekten und eigenwilligen Hand entstand die Roseburg wie man sie weitestgehend bis zum heutigen Tag erleben darf.

Nach dem Tode von Bernhard Sehring im Jahre 1941 behielt seine Frau und Mitstreiterin weitere neun Jahre die Geschicke des zum Stein gewordenen Traumes in der Hand, bis sie selbst im Jahre 1950 verstarb. Bis zu dem Zeitpunkt standen ihr vor Ort ein Hausmeister-Ehepaar, ein Verwalter und gleichzeitig Gartenbauinspektor nebst Familie (das Gartenhaus bewohnend) eine Pflegerin mit Sohn sowie eine der Töchter (den Georgsturm bewohnend) zur Seite.

1951 bis 1955 wurde die Burg aufgrund einer testamentarischen Vereinbarung noch von jener Pächterfamilie weiter bewirtschaftet; einige Flächen wurden an diverse Interessenten der Umgbung abgegeben.

Nach 1955 beginnt ein Wechsel an Besitzern, die Suche nach Wegen zum Erhalt, Zweckentfremdung, Förderung, öffentliche Nutzung sowie ein Warten auf Dinge, die da noch kommen werden. Sei es die LPG "7. Oktober" Rieder, welche 1955 den Besitz übernahm und u.a. den einst stilvoll angelegten Obstgarten zur Hühnerzucht und die Räumlichkeiten als Ausbildungsstätte für Geflügelzüchterinnen nutzte. Oder sei es 11 Jahre später, als das Objekt an die Kreisorganisation des Deutschen Kulturbund Quedlinburg überging und somit ein Aufschwung begann, der 1968 die öffentliche Nutzung als Naherholungsgebiet zur schönen Folge hatte.

Letztendlich mit der Ausgliederung aus dem Sehringschen Erbe 1984 fand die Roseburg als Kultur- und Erholungszentrum vorerst ihre verdiente Ehrung und öffentliche Nutzung wieder.

1989 die Wiedervereinigung und somit der Auftakt zu einer mühsamen Klärung der Eigentumsverhältnisse. Rückübertragungen sind offen, territoriale Grenzen verwischt und müssen neu gesteckt werden.

Es läuft ein Flurneuordnungsverfahren, diverse Vermögensansprüche müssen restlos geklärt werden und bescheren dem Landkreis Quedlinburg, Amt für offene Vermögensfragen, langwierige Arbeit. Immer ein Thema außerdem in der Abteilung Tourismus des Landkreises.

Die betagten Anspruchstellerinnen in Form einer Erbengemeinschaft distanzierten sich aus rein persönlichen und durchaus nachvollziehbaren Gründen von der Roseburg und übergaben sämtliche Interessen einschließlich den Kampf um die Rückgewinnung zum Teil an die Steyler Missionare.

Währenddessen kümmerte sich die bis zum Jahr 2004 „Roseburg GbR” mit Sitz auf dem Burggelände um die nötigsten Belange und Verwaltung der Burg.

Sicherungsmaßnahmen und die aufwändige Pflege der Parkanlage geschahen in eigener Initiative auch durch die ehemalige LPG Rieder, die übrigens keineswegs ihr Interesse an einer erneuten Übernahme verlor, sondern ebenfalls ihre Ansprüche geltend machte.

Und auch die mittels alljährlich zu erneuerndem Pachtvertrag gebundene Inhaberin der Pension und Gaststätte Roseburg ist vor Ort hoch engagiert - hat aber aufgrund der ständigen Ungewissheit zum allgemeinen Fortbestand fast resigniert.

Alles bittere, mit der Zeit Unfrieden anrichtende, aushöhlende Tropfen auf die alten zusehends verfallenden Gemäuer, bröckelnden Statuen, das verwaiste Wasserspiel, die zuwachsenden Sichtachsen ... auf die Zukunft der Roseburg schlechthin.

Und dabei hat es eigentlich an Förderern, Interessenten und Verehrern der Burg zu keinem Zeitpunkt gefehlt. Unter anderem die Touristinformationen Ballenstedt und Quedlinburg sowie markante dem Harz verbundene Internetseiten empfehlen die Roseburg als Sehenswürdigkeit und vorrangig in den Neuen Bundesländern erfreut sich der Name „Roseburg” immer eines gewissen Bekanntheitsgrades von jeher.

Inzwischen

Februar 2003 dann die offizielle Information:

Erfolg für Sehrings Erben!

- Auszug aus der Mitteldeutschen Zeitung v. 21.02.2003 -

Per 21.02.2003 erscheint die Meldung in der Mitteldeutschen Zeitung, dass die Rückübertragungsansprüche der Sehring-Erben bestätigt sind. Das Vermögen der Sehring-Enkeltöchter (wobei eine der Damen im März 2003 verstarb) wird von den Steyler-Missionaren, die bei Bonn ein katholisches Missionspriesterseminar betreiben, verwaltet. „Die Steyler-Missionare möchten gern verkaufen”, berichtet die projektbegleitende Hortec-GmbH. Den Agrargenossenschaften aus Rieder, Ballenstedt, Badeborn und Ditfurt, die seit 1984 viel in den Erhalt der Anlage investierten, sei sie zum Kauf angeboten worden.

Gerhard Knauer, der Geschäftsführer der Betriebsgesellschaft Roseburg, bestätigte dies. Die Genossenschaften könnten den Boden zum halben Grundstückspreis erwerben. Knauer verwies jedoch auf eine ausgesprochen komplizierte Rechtslage. Die Gebäude waren der Genossenschaft 1984 mit einem umfassenden Nutzungsrecht und nach Zahlung von 200 000 DDR-Mark an den vorherigen Nutzer, den Kulturbund, auf die LPG übertragen worden. 1990 war zwar der volkseigene Grund und Boden an die Treuhand gegangen, die Kosten für den Erhalt blieben aber bei der Genossenschaft hängen.

„Doch so langsam wird für die vier Agrargenossenschaften die Luft dünn”, weiß Gerhard Knauer. Eine Zukunft sieht er in einer Projektgesellschaft. Wenn die Erbinnen das Grundstück einbringen, die Agrargenossenschaften das Recht an den Gebäuden und das Land eine Zusage für Fördergelder geben, „dann wäre das schon toll.” Ein Verein, sagte Knauer zum Vorschlag von Verwaltungsamtsmitarbeiter Lutz Günter, könnte als Träger arbeiten. Verwaltungsamtsleiter Holger Thiele berichtete über Hallenser, die eine Internetpräsentation (gemeint ist diese Homepage) der Roseburg erstellt haben. „Die Burg ist verrückt, da muss man ein paar Verrückte zusammen kriegen”, sagte er. „Wir brauchen jemanden, der ein Zugpferd darstellt”, meinte Lutz Günther. Von der Gemeinde Rieder und den Firmen sei kein Engagement zu erwarten, gab Bürgermeister Jürgen Rössling zu bedenken.

So viel also zum (Besitzer)Stand der Dinge im Jahr 2003.

Gleichzeitig hatte die Roseburg, insbesondere die herrliche Parkanlage, einen handfesten Erfolg zu verbuchen:

Das Land hat die Roseburg als einen von 40 Parkanlagen in das denkmalpflegerisch-touristische Netzwerk „Gartenträume - Historische Parks in Sachsen-Anhalt” aufgenommen, das den Gärten zu neuem Glanz verhelfen soll. Jetzt kamen Vertreter der projektbegleitenden Hortec GbR und der Behörden in Rieder dazu ins Gespräch.

Die „Gartentraum-Planer” wollen eine Kostenschätzung für alle 40 Parks auf den Tisch legen und neben Landesmitteln auch Stiftungen als Förderer gewinnen. Neben den Kosten der Parkgestaltung werden auch die der Sanierung der Burg ermittelt.

Die Hortec GmbH, welche also mit der Projektentwicklung und -steuerung beauftragt ist, rief zudem einen „Freundeskreis”, dem auch wir angehören, ins Leben. Mit dem Ziel, die nun zum Verkauf stehende Roseburg NICHT in womöglich unsensible Investoren-Hände fallen zu lassen, sondern mittels handfestem Konzept zur Erhaltung und Wiederbelebung der Roseburg im Sehring'schen Sinne einen „Künstlerort Roseburg” entstehen zu lassen. Das Engagement, die Rahmenkonzeptionen, in Abstimmung mit der Unteren, Oberen sowie Obersten Dankmalbehörde, die Mitstreiter sowie praxiserprobte Beispielprojekte sind vorhanden … möge es Erfolge bringen.

Wir schreiben das Jahr 2005 und inzwischen wurde der Pensionsbetrieb vor Ort von Seiten des Bauordnungsamtes geschlossen - die Betreiberin Frau Edda Gerlach führt in Absprache mit der Steyler Mission nun nur noch das Roseburg-Cafè und kümmert sich, gemeinsam mit ihrem Ehemann, weitestgehend und engagiert um die riesige Parkanlage.

Der schlimmste Fall wäre eine komplette Schließung gewesen - so wie es in der Presse häufig schon als Tatsache erwähnt war - denn Diebstahl und Vandalismus hätten freien Lauf genommen, wobei der jetzige Zustand dem wahrlich auch keinen Einhalt gebietet.

Einhalt, auch dem Verfall insgesamt, kann lediglich durch den endgültigen Verkauf der Roseburg geboten werden und dies gestaltete sich in der Vergangenheit als sehr zäh! Bereits 2003/04 gab es einen ganz konkreten Investor, der bereits einen Vorverkaufsvertrag unterschrieben hatte, erste Um-/Rückbaumaßnahmen vornahm und die eigentliche Sanierung für das Jahr 2006 plante. Aber der Kauvertrag kam letztendlich nicht zustande. Weitere Interessenten scheiterten, wobei Summen von 180.000 bis 450.000 EURO geboten wurden).

Nun aber scheint es einem Berliner Geschäftsmann gelungen zu sein, mit seinem Konzept, Geld und Rechtsanwaltsstab zum einem Licht in die verzweigten Ansprüche zu bringen, was ja für die Verhandlungen unabdingbar ist. Immerhin mussten unter einen Hut gebracht werden:

- die AGRAR Genossenschaften Ditfurt Badeborn Rieder Ballenstedt ,welche ihre Rechte aus den LPG-Zeiten an der Roseburg nunmehr abgeben, was die Streichung aus dem Grundbuch zur Folge hat

- die Unterschrift von Sehring-Enkeltochter Victoria Weynen von Leuthold nebst der ihre Interessen vertretenden Steyler Mission

- die Unterschrift des Erben (Name uns bekannt), dem im Jahr 2003 durch die weitere Sehring-Enkeltochter Ilse von Leuthold aufgrund ihres Todes der eine sowie einem SOS-Kinderdorf der andere Roseburg-Anteil vermacht wurde.

Und tatsächlich! Im gleichen Jahr wird der Kaufvertrag unterzeichnet – Die Roseburg hat einen neuen und noch dazu sehr symphatischen Eigentümer! Das engagierte Berliner Ehepaar Jutta und Rolf Illmer beabsichtigen, die Roseburg wieder instand zu setzen und in neuem Glanz strahlen zu lassen. Inwieweit dieses bei der Vielzahl der baulichen Mängel in kurzer Zeit umzusetzen ist, das werden sicher die nächsten Monate zeigen.

Heute

Und der neue Besitzer hält sein Versprechen - es wird saniert, restauriert, wiederbeschafft und geplant! Nicht alles auf einmal, aber kontinuierlich und mit Blick auf die Zukunft.

Nicht ganz im Alleingang - das wäre finanziell und organisatorisch nicht zu bewältigen - sondern er und seine Ehefrau haben sich u.a. den Verein „Gartenträume”, eine Landschaftsarchitektin, neue Gastronomie sowie einen im April 2008 gegründeten Förderverein nebst Kuratorium mit ins Boot geholt.

Der Förderverein pachtete die Burg kurzerhand für 10 Jahre und holt mit viel Energie, Ideenreichtum und Aufwand das kulturelle Leben auf die Burg zurück. Die Presse berichtet regelmäßig von den gelungenen Veranstaltungen. Die Besucherzahlen steigen alljährlich. Die Roseburg ist wieder ein attraktives Ziel, ein touristisches Highlight in der Region, ohne aber dabei seinen romantischen Charme verloren zu haben!

Jetzt

Das Jahr 2013 bringt die traurige Nachricht vom Tod des Eigentümers der Roseburg mit sich. Ein großer und persönlicher Verlust. Sein Herz galt der Roseburg, zu Bernhard Sehring bestand eine „Seelenverwandtschaft” und es ist schwer vorstellbar, dass man ihn nicht mehr vor Ort erleben darf, wie er zum Beispiel den von ihm begonnenen Ausbau des Georgsturmes vollendet, geschickt selbst Hand anlegt und seine vielen Ideen verwirklicht.

Seine Gattin ist eine echte Berlinerin und tritt auch dieses Erbe an ... wofür wir ihr ganze Kraft wünschen.

Stand 2013