Verkauf

Mitteldeutsche Zeitung, Ausgabe Quedlinburg, 20.07.2005

Berliner holen die Roseburg aus dem Dornröschenschlaf

VON STEPHAN NEEF

Rieder/MZ. Es war Liebe auf den ersten Blick, gesteht Rolf Illmer. Und reiner Zufall, dass sie sich an diesem Tage begegneten. Er hatte sie zuvor noch nie gesehen, noch nie von ihr gehört. Obwohl es sie schon seit 98 Jahren gibt. Und sie schon immer eine Schönheit war. Kaum hatte Rolf Illmer das Torhaus passiert, die romantischen Mauern, Grotten und Brücken gesehen, die Putten und Wasserbecken und die seltenen Gehölze, war es um ihn geschehen. Die Roseburg erschien dem Berliner Unternehmer als "Märchenschloss", das auf ihn einen "so tollen Eindruck machte", dass er sich sagte: "Hier muss unbedingt etwas passieren". Denn die Schöne setzte Moos an, war hinfällig geworden, drohte zu verfallen. "Er hat überhaupt keine Ruhe mehr gefunden", erinnert sich Jutta Illmer, die Ehefrau.

Schwere Verhandlungen

Das war vor einem Jahr. Seit einigen Tagen gehört die märchenhafte Burg- und Parkanlage, die ab 1907 als exzentrischer Alterssitz des Architekten Bernhard Sehring entstand, den beiden Spree-Athenern. "Wir wollten die Roseburg unbedingt kaufen", gestehen Illmers der MZ. "Nach langen und schwierigen Verhandlungen" sei das im Juni gelungen.

Der Verhandlungsmarathon begann im August 2004. Haupteigentümerin war die Steyler-Mission (die MZ berichtete), die das Ensemble im Auftrag der beiden Sehring-Enkeltöchter verwaltete. Als langwieriges Kaufhindernis erwiesen sich nicht nur die unterschiedlichen Preisvorstellungen, sondern auch die im Grundbuch eingetragenen Sicherungsvermerke der Agrargenossenschaften Rieder, Ballenstedt, Badeborn und Ditfurt, deren Vorgängerbetriebe das Naherholungsgebiet nach 1984 mit umfangreichen Investitionen ausbauten. Erst nach Zahlung einer Abfindung stimmten die Unternehmen der Löschung zu.

"Wir sind nicht unter Zeitdruck."

Rolf Illmer neuer Burgherr

"Wir werden die Burg als gemeinnützige GmbH führen", macht Rolf Illmer klar, der sich "nicht als Eigentümer, sondern als Verwalter" sieht und weiß, dass sich mit seinem neuen Besitz kaum Geld verdienen lässt. Er habe den Kauf zwar frei finanziert, sei aber "beim Ausbau auf Landesmittel angewiesen". Denn der "Investitionsrückstau" sei gewaltig. Noch in diesem Jahr will der gelernte Maschinenbau-Meister die seit 20 Jahren tote Wasserachse "zum Laufen bringen". Die Abdichtung der Becken und die Restaurierung der Figuren soll später erfolgen, die Reparatur der großen Tiefbrunnen habe bereits begonnen.

Auch "Ab- und Einsturzgefährdetes" soll noch 2005 gesichert werden. Allerdings wollen Illmers "an vielen Stellen den Ist-Zustand konservieren", weil eine vollkommene Sanierung den Charme und die Romantik der Anlage zerstören könnte.

Hörbare Glocke

Die denkmalgerechte Rekonstruktion des Parks wird ohnehin von jenen Fachleuten begleitet, die das Tourismus-Projekt "Gartenträume" betreuen, das die 40 schönsten Gärten des Landes "inszenieren" und "kulturell erlebbar" machen will. Die kulturelle Nutzung der Roseburg soll ein Förderverein übernehmen, die gastronomische Betreuung wollen Illmers ausbauen. Im Turm soll man eines Tages "wie im Mittelalter wohnen" können, die gesamte Burg soll mit Gas beheizt, der Park mit Gaslampen stilecht beleuchtet werden.

"Wir sind nicht unter Zeitdruck", stellt Rolf Illmer klar. Doch die Glocke hinter dem Torhaus soll schon bald stündlich anschlagen und -wie ihr Pendant in der von Illmers sanierten Blankenburger Goldbachmühle - hörbar machen, "dass die Zeit vergeht".

Mitteldeutsche Zeitung, Ausgabe Quedlinburg, 24.09.2005

Besitzer will Burg öffnen

Rieder/MZ/es. Bürgermeister Jürgen Rössling konnte auf der jüngsten Ratssitzung berichten, dass der neue Eigentümer der Roseburg zugesichert habe, diese für die Öffentlichkeit wieder zugänglich zu machen. Bevor es soweit sei, soll sie wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt werden. Dazu gehöre auch die Instandsetzung der Wasserspiele.

Die Gemeinde habe sich bereit erklärt, das Projekt im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu unterstützen.